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Ernährungstherapie Chronische Pankreatitis

Die Ernährungsempfehlungen bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung zielen in erster Linie auf die Normalisierung und Stabilisierung des Körpergewichts sowie die Vermeidung von Nährstoffmängeln ab. Durch die orale Zufuhr von Pankreasenzympräparaten kann im Falle einer Pankreasinsuffizienz eine annähernd normale Verdauung gewährleistet werden.

Alkoholkarenz

Der Konsum von alkoholischen Getränken sollte aufgrund der zelltoxischen Wirkung der Abbauprodukte möglichst vermieden werden. Dies gilt in erster Linie bei alkoholbedingter chronischer Pankreatitis, kann aber auch bei anderen Ursachen sinnvoll sein, um das Entzündungsgeschehen nicht weiter zu fördern.

Obwohl in vielen Fällen die Beschwerden trotz Alkoholverzicht weiterhin bestehen bleiben, ist die Behandlung einer häufig zugrundeliegenden Alkoholabhängigkeit von großer Wichtigkeit, da neben der pankreatogenen Kachexie meist auch eine suchtbedingte Mangelernährung vorliegt.

Fettarme Kost

Durch die orale Aufnahme von Lipasepräparaten kann eine übermäßige Fettausscheidung weitgehend unterbunden werden. Allerdings herrscht durch den Mangel an Hydrogenkarbonat, welches zur Neutralisierung des Magenbreis im Pankreassekret enthalten ist, teilweise ein saurer pH-Wert im Dünndarm herrscht, der die Aktivität der Enzyme mindert. Eine Erhöhung der Enzymdosis kann daher erforderlich sein. Treten weiterhin Fettstühle auf, kann der Fettanteil in der Nahrung reduziert werden. Allerdings ist zu beachten, dass Fett gerade bei Untergewicht ein guter Energiespender ist und für die Aufnahme fettlöslicher Vitamine unverzichtbar ist. Empfehlenswert ist hier die Verwendung hochwertiger Öle, die reich an essenziellen Fettsäuren sind, wobei die Fettaufnahme auf den Tag verteilt werden sollte. Von einzelnen fettreichen Mahlzeiten ist abzuraten, da diese die Verweildauer der Speisen erhöhen und die Verdauung verlangsamen. In einigen Fällen kann ein Teil der Nahrungsfette durch MCT-Fette (Fette mit mittelkettigen Fettsäuren) ersetzt werden.

Mahlzeitenfrequenz und Zubereitung

Empfehlenswert sind kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, da so geringere Mengen Pankreassekret auf einmal benötigt werden.

Bei der Zubereitung der Speisen sollten möglichst schonende Verfahren wie Garen, Dünsten oder Blanchieren gewählt werden, um einerseits die Inhaltsstoffe zu schonen und andererseits die Mahlzeit leichter verdaulich zu machen. Besonders fettige Zubereitungsarten wie Frittieren oder langes Braten in viel Fett, sollte vermieden werden.

Leichte Vollkost

Im Allgemeinen sollte die Ernährung dem Prinzipder leichten Vollkost folgen. Das heißt, es kann alles gegessen werden was der Patient verträgt. Schwer verdauliche Lebensmittel, die bei vielen zu Beschwerden führen, sollten (je nach individueller Verträglichkeit) vermieden werden. Ballaststoffreiche (blähende) Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Lauch, Kohl und Zwiebeln sind schwer im Darm aufschließbar und können mitunter Enzympräparate sogar binden. Auch diese sollten möglichst vermieden werden.

Formuladiät

Wird trotz Enzympräparaten und ausreichender Ernährung keine zufriedenstellende Energie- und Nährstoffversorgung erreicht bzw. stabilisiert sich das Körpergewicht nicht, kann in Einzelfällen auch eine chemisch-definierte Formuladiät gegeben werden.

Nährstoffmängel

Infolge der gestörten Fettverdauung ist bei unzureichender Therapie mit einer Unterversorgung an fettlöslichen Vitaminen zu rechnen. Insbesondere ein Mangel an Vitamin E kann bei bis zu 75% der Patienten beobachtet werden. Ein Mangel an den Vitaminen A, D und K tritt seltener auf.
In einigen Fällen wurden auch Mängel an Vitamin B12, Zink und Kupfer gefunden (Literatur in. Bei guter Therapie können die Nährstoffe über die normale Nahrung gedeckt werden. Über eine zusätzliche Supplementation muss im Einzelfall entschieden werden.

Alkohol

Die chronische Pankreatitis kann bei regelmäßigem hohem Alkoholkonsum nach einigen Jahren auftreten. 1 bis 4% aller Alkoholiker entwickeln eine chronische Pankreatitis und 30 bis 60% zeigen eine Schädigung des Organs. Im Mittel kommt es bei Männern nach 17 Jahren und bei Frauen nach 10 Jahren chronischen Alkoholmissbrauchs von mehr als 80 g Alkohol (entspricht zirka 1 Liter Wein) täglich zur Pankreatitis. Nach vorliegenden Untersuchungen ist für die Entwicklung nicht die Art des alkoholischen Getränks, sondern die absolute Alkoholmenge der entscheidende Faktor. Als untere Dosis, ab der das Risiko ansteigt, wird ein täglicher Alkoholkonsum von 20 g angegeben. Eine untere Schwellendosis lässt sich nicht nachweisen. Folge kann neben einem Diabetes und Verdauungsstörungen auch ein Pankreaskarzinom sein. Die chronische Pankreatitis kann daher als Präkanzerose eingestuft werden.

Mechanismen

Alkohol schädigt die Schleimhäute, so dass Läsionen entstehen können. Hierdurch ist die Resorptionsfähigkeit vermindert und der Transport von Endotoxinen erhöht. Endotoxine tragen vermutlich zur Entstehung von Pankreatitis, Polyneuropathie und Leberzirrhose bei. Infolge der auftretenden Hyperproteinämie treten vermehrt Eiweiße im Pankreassaft auf. Diese flocken im Gangsystem aus und verschließen dieses. Infolge dessen können entzündliche Gewebsreaktionen sowie Schwund funktioneller Zellen sein.